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Rendler Rapier


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#1 Cogito

Cogito

    TT-Focus-Team

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Geschrieben 17 Mai 2014 - 05:06

KEES

 

 

Das Modell, bisher angedeutet worden als T1000, wird „Rapier“ heißen und in zwei Varianten zur Verfügung kommen: eine konventionelle, und eine aktive („Rapier A“). Es hat einen Kern der zusammengesetzt ist aus zwei Balsa Furnieren (4 und 2 mm), Kork als Zwischen-Furniere (ungefähr 1,8 mm), und sehr dünnes Mahagoni als Außen-Furniere; die Gesamtstärke ist bei diesem Holz ungefähr 10 mm. Der Griff seht besonders gut und fein aus, liegt gut in der  Hand, und ist zudem unerwartet hart für ein Re-Impact; er wird also abnutzungsfester sein als die normale, weicheren Griffe. Das Test-Exemplar womit ich gespielt habe (Kleinblatt) wiegt aber dennoch nur 63 gram. Kostpreis wird um 250 Euro sein, sagte Achim, weil die Verfertigung kompliziert ist und es sich hier eigentlich handelt um Auslesefertigungen mit Eigenschaften, die auch und eben professionelle Spieler zufrieden stellen sollten. Man bekommt sie bis auf weiteres bis Anfang Oktober auch nur auf besondere schriftliche Anfrage.

 

Das Holz ist in der konventionelle Variante von mir gespielt worden mit NI und KN Beläge. Mit KN (meine übliche Stil) spielt es sehr gut, mit NI noch etwas besser.

 

Also, zuerst vom Test mit beidseitig KN. Ich habe gespielt mit Globe 889-2, Stärke 1,8mm, weil das eine moderne, also Spin-freudigere allround Noppe ist, aber nicht Factory-tuned und also nicht extrem schnell – das Holz ist von sich am Tisch schon schnell genug.

 

Was mit KN sofort auffällt ist die Anfälligkeit des Rapiers für den Schlägerwinkel: schlägt man wie man mit KN soll und trifft den Ball gerade, dann ist ein ausgezeichnetes direktes Gefühl da, und ein gutes Tempo welches sich einfach beherrschen lässt von ALL bis OFF (nicht ganz OFF+, würde ich einschätzen; mit schnelleren KN aber schon). ALL bis OFF ist ideal für KN-Spiel, weil man ja am Tisch bleiben soll und daher nicht das OFF+ Tempo braucht das zum Spiel aus dem Halbdistanz heraus gehört. Trifft man den Ball beim Konter und Schuss aber weniger gerade, so sinkt das Tempo starker als man mit einen „normalen“, herkömmlichen Holz erwarten würde, und das Gefühl ist dann auch nicht mehr gut: eher verschwommen. M.E. ist das positiv zu bewerten, denn man hat so mit diesem Holz eine sehr saubere Rückmeldung, und man ist sich sofort davon bewusst dass man Fehler macht. „Fehlerverzeihend“ wird öfters als positive Eigenschaft angemerkt, aber das ist zum Teil fragwürdig, meine ich, denn Anfänger sollen ja unverzeihlich ihre Fehler bemerken damit sie keine unsaubere Technik lernen, und versierte Spieler brauchen gar kein fehlerverzeihendes Holz. Mit NI Beläge hat man übrigens dieses „Problem“ der Schlägerwinkel nicht, weil die Beläge wegen ihre viel größere Griffigkeit und Weichheit viel weniger Winkelabhängig wirken als KN. 

 

Beim Schuss ist das Rapier sehr schnell, aber die Bälle sind dennoch auffällig einfach auf dem Tisch zu halten, denn sie sinken ziemlich schnell ab – wenn sie richtig getroffen werden. Mit herkömmlichen Hölzer kommen geschossene Bälle meist viel weiter hinten auf den Tisch; das Rapier ist in diesem Hinsicht also besser, weil man mit diesem Holz variieren kann, z.B. den Ball auch einfach auf Wunsch tiefer platzieren wenn man der Schläger etwas weniger schließt. Die Absprung ist aber etwas höher als bei den meisten Re-Impact Hölzer und man soll also aufpassen dass tief platzierte Bälle nicht über den Tisch gehen. 

 

Beim Konter soll man den Ball (wegen der Winkelanfälligkeit) immer richtig treffen, auch am richtigen Punkt wie üblich mit KN. Etwas Topspin ist bei langsamere Konterschläge öfters sehr hilfreich, und das Rapier produziert das ganz leicht. Auch kontern geht also sehr kontrolliert.

 

Schnell blocken ist gleichfalls sehr einfach und wie beim Schuss sinken die Bälle schnell ab, was eine hervorragende Kontrolle bietet. Die meiste Re-Impact Hölzer mit relativ stärke Balsa Kernfurniere dämpfen stark ab bei niedrige einkommende Geschwindigkeit und beschleunigen stark bei höhere Geschwindigkeit; da ist das Rapier aber klar besser, weil es moderater wirkt. Man läuft also nicht das Risiko das bei sanft geblockte Bälle einem der Ball vom Schläger fallt oder bei hart geblockte Bälle der Ball zu sehr wegkatapultiert wird. Auch betrifft Tempo im Allgemeinen ist das Rapier nicht so typisch ein Balsa Holz, weil es die Bälle nicht nur gut beschleunigen kann, diese aber ihre Geschwindigkeit länger beibehalten – die Durchschlagkraft des Rapiers ist also grösser. Vermutlich spielen die harte Mahagoni Außenfurniere hier eine Rolle.

 

Das Rapier ist zudem beinahe völlig unempfindlich gegen einkommenden Schnitt; auch mit dem Globe 889-2, obwohl das wie gesagt eine Effet-freudige Noppe ist. Das Holz macht dennoch von sich sehr leicht Effet: ein geringer (aber schneller) Einsatz des Handgelenks macht schon ausreichend Topspin wenn man es braucht.

 

Gegen Unterschnitt spielt das Rapier auch besser als die meiste Balsa Hölzer. Greift man an, so ist der Ball einfacher zu platzieren, lang oder kurz; mit herkömmliche schnelle Balsa Hölzer lauft man etwas mehr Risiko dass bei „weicher“ gezogenen Topspins gegen Unterschnitt den Ball zu langsam wird und ins Netz geht.
Dies ist ein wichtiger Vorteil des Rapiers, denn wenn man z.B. gegen moderne Verteidiger spielt, muss man imstande sein schnelle aber kurz platzierte Topspins zu spielen (was mit KN öfters nicht so einfach ist): wenn man nur tief platzieren kann, riskiert man dass der Verteidiger schnell im Gegenangriff geht.

 

Ein Drop-shot (kurz ablegen) mit dem Rapier ist gegen Unterschnitt sehr kontrolliert auszuführen.

Service: viel Effet, perfekte Platzierung, sehr variiert zu gestalten. Effet produzieren geht noch etwas besser als bei den meisten Re-Impact Hölzer.

 

Dann: das Gefühl. Balsa Hölzer wie z.B. Re-Impact T4 (was bisher mein Favorit war) haben für mich ein super und einzigartig Gefühl, angenehm weich und dennoch direkt. Das Rapier ist etwas härter (wohl durch die Außen-Furniere), aber immer noch relativ weich, und viel präziser in der Rückmeldung.

 

Topspin-Schläge: obwohl man mit KN durchaus ein Konter/Schuss-Spiel beabsichtigt, können gelegentliche Topspins einen Mehrwert bieten, insbesondere gegen langsame und kürzere Bälle. Hier ist das Rapier nicht nur sehr gut weil es sehr viel Effet machen kann, sondern weil es dabei gleichzeitig ein sehr guten Durchschlagkraft aufweist. Besonders der RH Topspin kann sehr schnell und dennoch präzise gespielt werden: eine richtige Peitsche. Auch beim Aufschlag- Rückschlag wirkt das sehr positiv.

 

Mit dünnere KN Beläge (1,5 mm und weniger) kann zwar geblockt und geschupft usw. werden, aber hart kontern oder schießen ist schwierig, zum einen weil man nicht genügend Tempo bekommt, zum anderen weil der Schlager bei diese Schläge und dünne Schwamm extrem winkelanfällig wird. Dickere Beläge (2.0 mm) sind aber kein Problem.

 

Fazit:  das Rapier ist sehr gut, schnell und auch variiert mit KN am Tisch zu spielen, fordert dafür aber klar eine sehr saubere Technik.

 

Dennoch habe ich den Eindruck das die Eigenschaften dieses Holzes am besten zum Ausdruck kommen wenn es mit NI Belägen gespielt wird. Denn, erstens, die sehr saubere Rückmeldung des Rapiers ist zwar nicht unbedingt notwendig für NI Spiel, aber sie ermöglicht eine Verbesserung der Ballführung und kann das NI Spiel also steigern; d.h. für KN Spiel ist sie „nur“ notwendig, für NI Spiel ist sie ein Extra. Und zweitens: die Möglichkeit sehr viel Effet zu produzieren macht das NI Spiel effektiver; mehr als das KN Spiel.

 

Ich habe unterschiedliche NI Beläge auf dem Rapier getestet. Sehr weiche Schwämme mit Stärke unter 2,0 mm gefielen mir nicht so gut, weil die Härte des Mahagoni sich dann unangenehm bemerkbar machte. Über ungefähr 35 Grad gab es aber keine Probleme, und es geht dann in jeder Stärke ab 1,5 mm bis die maximale. Und zudem nimmt die Feinfühligkeit des Rapiers nicht ab bei dickere Schwämme. Auch „factory-tuned“ Beläge spielen gut auf dem Rapier. Weiter ist eigentlich alles wie auch bei KN, d.h. einfach sehr gut. Die Absprung ist mit NI Beläge selbstverständlich etwas höher, die Kontrolle bei allen Schlägen gleich hoch wie mit KN. Effetwerte sind sehr hoch. Eigentlich fallen nur zwei Dinge wirklich auf. Das eine: untypisch für einen Re-Impact Holz - es spielt sogar besser mit stärkere dynamische Schwämme als mit dünnere weniger dynamische. Man könnte also auch einen Tenergy darauf spielen, wenn man das wolle. Das andere: das Rapier spielt auch hervorragend bei der klassischen Verteidigung. Es ist also ein echtes universelles Holz.






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